Das Problem mit den Käfern

12 07 2009

Bugs, das altbekannte Problem, womit jeder passionierter Videospiel-Konsument schon einmal in Berührung gekommen ist, haben sich auch im neuesten Savannenausflug von Ubisoft eingenistet. Far Cry 2 ist verseucht. Ersichtlich zwar nicht an der Anzahl der Fehler, wohl aber an deren Auswirkungen. Vermutlich weiß bereits ein Großteil der Wüstenurlauber, wovon hier die Rede ist. Wer allerdings noch nichts von der Käferplage gehört hat, sei hiermit gewarnt!

Afrika ist groß, so groß, dass etwaige Spielfehler wohl unausweichlich erscheinen und kleinere Spielmechanikungereimtheiten gern verschmerzt werden können. Trotzdem bleiben die kleinen Käfer ärgerlich, ja lästig. Jeder der schon einmal Bekanntschaft mit einem gemacht hat, verflucht sie und schickt zeitgleich ein Stoßgebet gen Himmel, der allmächtige Spielegott möge doch am besten noch jetzt gleich einen Patch veröffentlichen, der diesen eben geschehen und irreparablen Fehler behebt.

Szenenwechsel. Ich nahm dankend die Mission an, man bezahlte nämlich äußerst gut. Um genau zu sein 30 Diamanten, hierzulande ein kleines Vermögen. Keine Ahnung, von wem der Auftrag war, aber das tut nichts zur Sache; es ging nur um die Bezahlung und die Ausführung. Ich sollte einen mit explosivem Gasgemisch bestückten LKW entführen und am abgemachten Übertragungsort abliefern. Gut, dass ich vorher nicht gespeichert habe und bereits eine halbe Stunde unterwegs war. Warum auch speichern, wenn der Auftrag leicht, die Gefahr gering und das Risiko eines Spielfehlers bei Far Cry 2 vernachlässigbar war? Als ich vom Osten der Karte in den Westen fuhr; und einige von euch wissen, wie weit das ist, geschah das unfassbare. Eben noch Boden unter den Rädern und gemütlich durch den Dschungel gedüst, hob es kurz danach schon die Schnauze meines Gefährts aus den Angeln. Vor- oder Rückwärtsgang wirkungslos, die Räder drehten durch. Warum? Ausgestiegen, nachgesehen und in Tobsucht verfallen.

Mein Fahrzeug steckte in einer Palme fest. Der Stamm ragte direkt durch den Rumpf. Geht wie?

Nunja. Zum Glück hatte ich ja noch einen älteren Spielstand. Diesmal habe ich lieber einmal zu oft gesichert, als zu wenig.

… Drei Tage und 30% Spielfortschritt später

Da ich ja ein ziemlich bugängstlicher Mensch bin, sichere ich an jedem Ort und zu jeder Zeit meinen überaus kostbaren Spielstand. Wenn möglich auch auf zwei Slots. Seit mehreren Spielstunden und zahlreichen Tagen in der Savanne ist mir kein lästiges Insekt mehr begegnet. Das war allerdings nur die Ruhe vor dem Sturm. Schnief.

Ich war dem Ende des Spiels vermutlich ziemlich nahe; musste nur noch etwas erledigen und flüchten. Speicherpunkt. Ein Auto geklaut und auf dem Weg zum nächsten Zielort. Speicherpunkt. Wenige Meter später von mehreren verrückten Schwarzhäutigen überfallen und erschossen worden. Beinahe ausgerastet. Konsole ausgeschaltet. Morgen war schließlich auch noch ein Tag. Wie hätte ich denn ahnen können, dass sich das Drücken des Powerschalters meiner Konsole als schwerwiegender Fehler herausstellen sollte?

… Der Tag danach

Beim Laden des Spielstandes dachte ich zuerst, ich sehe nicht richtig. Der Zielort, der gestern noch auf meiner Karte vermerkt wurde, war nicht mehr markiert. Die Ziel- und Missionsliste in meinem Journal waren leer. Keine Haupt- oder Nebenmission mehr möglich. Neuladen brachte nichts. Das Spiel befand sich nun in der inhaltslosen Endlosschleife – Ganz plötzlich und ohne Sinn. Durchspielen war jetzt ein unmögliches Unterfangen. Da rastet mal gerne mal aus, vor allem als ehrgeiziger Videospieler, wie ich einer bin. Die kinetischen Kräfte, die ich daraufhin entwickelte, wurden allerdings gut von meinem Sofakissen absorbiert. Die Plastikverkleidung meiner Xbox 360 hätte da nicht so lange standgehalten.

Da ich ja ein überaus vorsichtiger Mensch bin, habe ich natürlich noch einen zweiten Speicherstand. Nur dass dieser rund 25 Prozent in der Handlung zurückliegt und ich beim besten Willen keine Lust mehr auf dieses Spiel habe. Unbegreiflich, warum Ubisoft noch keinen Patch nachgeschoben hat.

Man muss sich das wie einen Ausflug in die staubtrockene afrikanische Wüste vorstellen. Nur eben ohne Cocktail oder Sonnenschirm. Und dann sieht man in der flimmernden Ferne, also ganz weit hinten, diese Oase. Die, die man immer sieht, wenn man laut Geschichtenschreibern und Filmemachern kurz vor dem Abkratzen nur noch Sandkörner kaut. Aber wenn man dann sein Ziel beinahe erreicht hat, das kühle Nass förmlich spüren kann, dann erkennt man, dass einem das Hirn just doch nur etwas vorgeflunkert hat. Das Durchspielen von Far Cry 2 verkam demnach zum hitzigen Luftschloss.

Das Spiel liegt nun wieder im Regal. Ganz hinten, noch jenseits des Vorgängers. Hat ein paar Knicke vom rabiaten Griff meiner unkontrollierten Muskelzuckungen. Ob ich es noch einmal einlegen werde? Vermutlich schon. Zumindest, wenn ein Insektenspray erhältlich ist.

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