Der Kampf der Giganten

5 09 2009

Schon ein tolles Produkt so ein Laptop. Kleiner und leichter als ein PC und somit viel praktischer, da mobiler. Ich steh‘ da ja eher auf 13 Zöller, die sind nicht zu klobig, so wie die fetten Gaming-Notebooks, ihr wisst schon welche – aber auch nicht zu klein, wie diese neuen Netbooks, die immer populärer werden und vielleicht in ein paar Jahren die Weltherrschaft an sich gerissen haben werden, wie Heuschrecken auf einer abgefackelten Apfelplantage.

Design ist für mich ebenso wichtig wie Funktionalität und Ergonomie. Kein Wunder also, dass ich beim Laptopkauf vor einigen Monaten mal einen Blick in den Apple-Store riskiert habe. Diese Macbooks sind ziemlich eindrucksvoll, wie die vielen Werbefilmchen, welche anscheinend mit einem kleinen Hollywoodbudget gedreht wurden, beweisen. Was für ein edles Design! Videos drehen, schneiden, versenden, auf Webseiten einbinden und nebenbei mit wenigen Mausklicks seine eigene Visage dank Webcam bewundern… Features, die kein normaler Mensch benutzt, aber die man trotzdem irgendwie schätzt, weil vielleicht doch noch der Moment kommt, wo diese Spielereien ganz sicher ihre Daseinsberechtigung beweisen. Ergo: Boah, was das alles kann. Meine Fresse, das Gerät muss ich haben! – Moment mal: Das Teil mit dem Apfel ist weit weniger gut ausgestattet als ein Spielenotebook mit Windows, kostet aber fast dasselbe: über 1000 Scheinchen soll man auf den Thresen kloppen, für ein stärker ausgestattetes Modell sogar noch mehr.

Mein Konto schrie „Um Himmels Willen, willst du mich in den Ruin treiben?“, mein Gehirn und meine Wollust, meine Gier und meine Dickköpfigkeit entgegneten aber mit nicht weniger schallenden Rufen: „What the fuck, datt Dingen is‘ seine Kohle ganz sicher wert!“.

Ich kaufte eins.

*

Über vier Monate, einige Einarbeitungszeit ins Macintosh-System, viele Einstellungsspielereien und Wutausbrüche später.

Heute bin ich überaus zufrieden mit meinem Macbook, avancierte durch das extrem schöne Design gar zum Applefan. Äpfel haben nämlich ihren Preis, aber die hat Qualität schließlich auch.

Da ich des Öfteren mit Photoshop arbeite, Musik höre, an einigen Projekten arbeite und zwischendurch im Netz surfe, blogge oder einfach zig Tabs offen habe, reichten mir die 2GB Arbeitsspeicher bald nicht mehr aus. Ich meine: da geht doch mehr.

Also fix im Netz gesurft, was so’n Ram-Riegelchen wohl kosten mag und fast vor Glücksgefühlen vom Stuhl gekippt, zwang mich schon bald darauf die Ernüchterung an einem gewissen Würgreiz zu ersticken. 2 GB waren bereits im Macbook verbaut, ich wollte mich aber nicht mit weniger als satten 4 GB zufriedengeben. Da half alles Seufzen nichts, ums Ausbauen kam ich sowieso nicht drumherum. Mir ging es jedoch darum, mich vor den Kosten einer kompletten Neuanschaffung zu drücken. Und just die war auch nötig, meine beiden Slots waren nämlich bereits belegt. Wunderbar dachte ich, das kostet mich schlappe 40 Taler, der Einbau beim Fachmann würde noch einmal mit rund 50 Euronen zu Buche schlagen. Irgendwie hatte ich mir das dann doch etwas preiswerter vorgestellt.

Kurz vor dem bereits ausgemaltem Freitod, schickte mir mein Gott dann doch noch eine Erleuchtung und ließ mich nicht am zurechtgelegten Strick krepieren. »Wieso nicht selber machen?«, schoss es mir durch den Kopf. Das muss schließlich irgendwie gehen. »Na klar geht das Mensch, in der Anleitung haben diese Ingenieure von Apple schließlich ’ne kleine Skizze reingekritzelt und eine Anleitung zum Tausch des Arbeitsspeichers verfasst.« So what?

Der Kampf Homosapiens sapiens versus Metallus Schraubus Kopfus sollte beginnen. Und ich biss erstmals in den sauren Apfel.

*

Eine geraume Wartezeit auf den Postmann mit dem Arbeitsspeicher im Gepäck und diverse Minuten mit der Anleitung zur Vorbereitung später.

Voller Vorfreude riss ich den RAM aus seiner wertvollen Verkleidung und fasste ihn vorsichtig mit meinen Wurstfingerchen an. Damit nun nix schiefgehen kann, hatte ich die Anleitung provisorisch in meinem photographischen Gedächtnis abgespeichert. Ich drehte mein Macbook herum, um sofort die Rückenklappe zu entfernen. Akku raus und… Hm? Wo kommt der RAM gleich noch mal rein?

Anleitung angeguckt…

AH! Da fiel es mir wie Schuppen von den gereizten Augen. Laut Flugblättchen soll ich als nächstes irgendetwas ausbauen. Also wieder ins Macbook geschielt und eine weitere Verkleidung entfernt.
Mir offenbarte sich ein seltsam technischer Anblick. Letztlich schien das Gerät vor mir – mit all seinen Kabeln und Platinen – so gar nicht dem Bild der Anleitung zu entsprechen. Hatte ich es hier mit einer neuen Gattung Macbook zu tun? War mein Laptop in Wirklichkeit kein Notebook, sondern ein außerirdisches Bügeleisen?

Anleitung angeguckt…

Mich traf der Schlag ein weiteres Mal. So wie ich es las und nach mehrmaliger Überprüfung tatsächlich auch so dort stand, sollte ich insgesamt acht winzig kleine Schrauben herausdrehen, weil bei meinem Macbook die gesamte Rückenverkleidung entfernt werden musste. Das mag jetzt nach einem mittelgroßen Problem klingen, doch ihr habt ja auch die Schrauben nicht gesehen! So zwergenhaft klein, diese Scheißteile.
Ich hab’s mit sämtlichen Schraubendrehern probiert, aber keiner passte. Welcher Depp verbaut auch solche Uhrenmacherminimolekülschrauben. Noooo!

*

Einige Wartezeit auf meinen kleinen Minischraubendreher meiner Mutter und etliche Wutausbrüche später.

»Ha, mit dem Muss es klappen!« Voller Vorfreude und gebündelter Entschlossenheit klappte ich das Werkzeugköfferchen meiner Mutter auf, in dem Werkzeuge aller Größen zu finden waren. Unglücklicherweise waren sie wirklich dünn, besonders der Griff glich dem Beinchen eines Flamingos und so war das feste Zupacken schon ein Problem. Das nächste Hindernis lies allerdings nicht lang auf sich warten.

Der Moment der Wahrheit: Der dritte Dreher passte exakt auf die kleinen Metallköpfe und begann zu schräubeln. Aber ach, …

Diese Mistviecher saßen dermaßen fest, dass es keine andere Möglichkeit als totale Zerstörung des Schraubendrehers gab, der tot mit abgeschabten Köpfchen zurück ins Köfferchen gelegt werden musste.

Meine Hautfarbe verfärbte sich allmählich und mein Kopf begann zu dampfen. Geplagt von Selbstzweifeln kapitulierte ich auf Knien. Hatte ich die falsche Wahl getroffen? Hätte ich es doch einem Fachmann überlassen sollen? Hätte ich die 50 Euro investieren sollen und mir viel Mühe ersparen können? Hätte ich ich mir selbst weniger geschadet und hätte meine Inneneinrichtung meine Wutausbrüche eventuell überlebt?

Ich zögerte.

Die letzte Möglichkeit: Ein richtiger Schraubendreher vom Fachgeschäft.

*

Viele Schraubendreherleichen, abgegriffene Schraubenköpfe, 16 investierte Euro und diverse Wutausbrüche später.

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