Mitternachtswahnsinn in Berlin

10 11 2010

Die letzte Nacht war für viele Videospieler etwas ganz Besonderes. Denn der Saturn des Europa Centers in Berlin bot das brandneue „Call of Duty: Black Ops“ zum Spottpreis an und lies sich nicht lumpen, den Mitternachtsverkauf mit großem Tamtam einzuläuten. Auf interessierte Shooter-Veteranen wartete demnach eine rund 20-minütige Probepartie im Mehrspielermodus sowie eine kommentierte Spielshow, der spät abends Kool Savas mit seiner musikalischen Performance das Sahnehäubchen aufsetzen sollte. Journalisten hingegen machten es sich im (viel zu kleinen) VIP-Bereich gemütlich. Ich war natürlich dabei! Für iamgamer.de reiste ich in die Landeshauptstadt und fasste die Eindrücke des Abends in diesem Bericht zusammen.

Die Besucherschlange vor dem Saturn am Europa Center in Berlin

18.30 Uhr – Es ist noch viel zu früh. Der Saturn, der sich über gigantische fünf Etagen erstreckt, hat noch geöffnet. Die Hallen der Multimedia-Kette sind aber ungewohnt leer gefegt – selbst im Musik- und Videospielbereich herrscht Totenstille. Es ist die Ruhe vor dem Sturm. Die Mitarbeiter bereiten das Event vor. Gigantische Plakate werden an der Außenfront angebracht, verhüllte Metallgerüste im Innenbereich aufgestellt, die in etwa drei Stunden den Ansturm der Käuferschaft durch die Regale lotsen sollen. Der Durchgang zur obersten Etage, dem Ort, wo später die Bühnenshow präsentiert werden soll, ist nahezu unpassierbar. Die Atmosphäre ist schal. In der Luft liegen Stress und Nervosität, aber es ist ja noch Zeit …

Auch ich muss mir noch eine halbe Stunde die Beine vertreten. Der Pressebereich wird derzeit von einem breitschultrigen Stier in schwarzem Nobelanzug versperrt. Angesichts ihrer äußeren Erscheinung erwartet man bei der Security selten Freundlichkeit. Dabei sind die muskulösen Herren mit Stiernacken ziemlich zuvorkommend.

19.00 Uhr – Wo gerade noch ein Fels den Weg zur VIP-Lounge versperrte, verharrt nun ein schlanker Vertreter mit Gästeliste. Das schicke Halsbändchen samt Backstage-Pass wird mir jedoch wenig später wieder abgenommen. Engpässe sollen der Grund sein. Hinsichtlich der äußerst zahlreich vertretenen Journalistenschar und dem Mangel an Sitzplätzen hätte ich mir das schon denken können.
Ein kleiner Tisch mit Snacks und Appetithäppchen (die leider viel zu schnell weggefuttert wurden) und drei Spielstationen mit jeweils zwei Xbox-360- und einer PC-Version – mehr gab es nicht zu sehen. Dafür wurden reichlich Getränke angeboten und sich wie immer rege untereinander ausgetauscht. Selbst Adam Rosas, seines Zeichens »Lead Cinematics Animator and Motion Capture Director«, war zugegen, der mir freundlicherweise einige Fragen beantwortete. Aber zuerst heißt es: Plätze sichern, sonst wird das hier eine Stehparty!

Übrigens: Kaum zu glauben aber wahr – bereits jetzt bildet sich vor dem noch verschlossenen Seiteneingang des Saturns eine lange Schlange. Über zwei Stunden vor Einlass! Beim Blick aufs Thermometer kann man sich ungefähr vorstellen, wie ungemütlich das Warten für viele ausfiel.

Die obligatorischen Appetithäppchen... Lechz.

20.30 Uhr – Irgendetwas muss schief gelaufen sein, denn gesessen habe ich kaum. Immer mehr Pressevertreter tummeln sich in dem kleinen Raum oberhalb der Rolltreppe. Unterhalten wird sich meist im Stehen. Vor den großen Samsung-TVs herrscht ein reger Andrang, der sich aber im Laufe des Abends verflüchtigt. Ich habe mittlerweile etliche Passagen des Treyarch-Shooters getestet und notiere im Hinterkopf das erste gedankliche Fazit: Black Ops bietet mehr vom Alten, glänzt vor allem durch seine opulente und beinahe obligatorische Effekthascherei und dürfte Fans brachialer Action gefallen. Dass ich bei dieser ersten Bilanz richtig liege, verdeutlichen die anderen Spielszenen im Verlaufe des Abends.

Die 3D-Version hingegen, die laut Adam Jensen nativ auf der PS3 entwickelt wurde, im Presseabteil aber nur auf der Microsoft-Konsole lief, sorgte für gespaltene Geister. Einerseits überzeugt der räumliche Effekt: Die beeindruckenden Gesichtstexturen wirken noch plastischer, denn entfernte Objekte nimmt man dank der zusätzlichen Dimension auch als solche wahr. Nichtsdestoweniger spielt sich das Ganze nur auf verschobenen Ebenen ab. Anders als beispielsweise im Kino, wo der 3D-Effekt direkt auf der Leinwand berechnet wird, gibt‘s für Konsolen momentan nur die veraltete stereoskopische Variante.

Bis uns wirklich Trümmerteile entgegen fliegen, Rauchschwaden vor unseren Gesichtern tanzen und man sich instinktiv vor feindlichen Granaten duckt, werden wohl noch einige Jahre ins Land ziehen. Zudem flimmern die batteriebetriebenen Brillen schrecklich – meine Augen schmerzen nach spätestens einer Stunde. Ferner krankt die 3D-Variante an Aussetzern, etwa bei schnellen Kameraschwenks (die bei einem Shooter keine Seltenheit sind). Dies zeigt deutlich, in welch jungen Kinderschuhen die Technik noch steckt, vermittelt aber auch einen guten Eindruck von dem, was uns in der Zukunft noch erwartet.

Zahlreiche PC- sowie 360-Versionen standen für die Besucher zum Anspielen bereit.

21.30 Uhr – Es ist endlich soweit. Der Multimediakonzern öffnet seine Pforten. Kleine Scharen strömen ins Innere des opulenten Verkaufshauses. Zuerst geht es ins Erdgeschoss, wo zahlreiche Spielstationen auf etwaige Zockerpartien warten. Angeboten werden hier allerdings lediglich die PC- sowie die Xbox-360-Version, vom PS3-Pendant erneut keine Spur. Dafür versüßen einige top trainierte Babes die kommenden 20 Minuten, in denen sich via System-Link-Partien gegenseitig ins virtuelle Fleisch geschossen werden darf.

Hier wird das Spiel in einigen Stunden auch verkauft. Saturn-Mitarbeiter basteln fleißig an diversen Pappschachteln und opulenten Aufstellern. Bereits jetzt wird der eindrucksvolle Spielstapel der Verkaufsfassung angepriesen.

22.00 Uhr – Wer sich anhand der Probesession einen Eindruck des neuen „Call of Dutys“ gemacht hat, wird mit allerhand schicken Postern und zahlreichen Wegweisern ins oberste Stockwerk gewiesen. Hier pressen sich bereits früh nach Einlass Massen von Besuchern durch die engen Gänge, die schließlich in einem kleinen Bühnenbereich münden. Dort gibt es auf einer gigantischen Leinwand diverse kommentierte Spielszenen zu bewundern. Überall wimmelt es von schwarz gekleideter Security. Und die hat nicht gerade wenig zu tun. Vor wenigen Minuten musste die Polizei anrücken. Medizinische Fachkräfte kümmerten sich um die ersten Verletzten – der restliche Abend blieb jedoch glücklicherweise von weiteren Eskalationen verschont.

22.30 Uhr – Eigentlich sollte Kool Savas jetzt auf der Bühne stehen und seine geistigen Ergüsse in Form harter Verse zum Besten geben – ich höre und sehe jedoch weit und breit nichts. Angeblich wurde der Rapstar bereits in seinem schnieken Hummer gesichtet, auf der Bühne jedoch glänzt er durch Abwesenheit. Zeit also, für ein Mini-Interview mit Adam Rosas.

iamgamer: Adam, was genau gefällt dir als Verantwortlicher für die Animationen am neuen „Call of Duty“ am besten?
Adam Rosas: Natürlich die Animationen (lacht). Vor allem die Gesichtsanimationen sind beeindruckend geworden. Aber auch in anderen Bereichen kann der Titel punkten. Wir wollten ein möglichst authentisches Spielgefühl schaffen.

iamgamer: Wie habt ihr das deiner Meinung nach erreicht?
Adam Rosas: Zum Beispiel durch das neue Motion-Capturing-Verfahren. Die Bewegungen werden jetzt nicht mehr als Ganzes aufgezeichnet. Stattdessen geschieht das nun in drei Schritten. So können wir uns beispielsweise besser auf die Körperbewegungen konzentrieren und an anderer Stelle besonderen Wert auf die Mimik der Protagonisten legen.

iamgamer: Uns hat auch die 3D-Version gefallen, obwohl sie des Öfteren etwas schwächelt.
Adam Rosas: Das stimmt. Dazu muss ich aber auch sagen, dass ihr die PS3-Version in 3D spielen solltet. Die wurde nämlich nativ für diesen Zweck programmiert. Und es sieht einfach fantastisch aus, meint ihr nicht?

iamgamer: Sicher ist es ein optischer Fortschritt, allerdings steckt die ganze Technik noch in den Kinderschuhen. Kaum jemand besitzt einen dafür ausgestatteten Fernseher samt Brillen. Noch eine letzte Frage: Wird es DLC für „Black Ops“ geben? Und wie lange werdet ihr das Spiel pflegen.
Adam Rosas: Zu möglichen Zusatzinhalten kann ich natürlich noch nichts sagen. Warten wir ab, was die Zukunft bringt. Bis dahin gibt es schließlich eine packende Geschichte, heiße Mehrspielergefechte und natürlich Zombies (lacht).

iamgamer: Vielen Dank für das Gespräch, Adam.

3D-Version: Das muss so verschwommen aussehen!

23.30 Uhr – Im Besucherbereich ist die Hölle los, die VIP-Lounge jedoch lichtet sich allmählich. Viele Journalisten haben kurzerhand ihr Pressetütchen, gefüllt mit diversem Merchandise inklusive einer Vollversion des Shooters, eingesackt und sind verschwunden. Viel zu sehen gibt es jetzt nicht mehr. Einige versuchen sich nun am Durchspielen der Kampagne von „Call of Duty: Black Ops“ – bedenkt man die kurze Spieldauer des Titels, ein mögliches Unterfangen.

Auch Kool Savas ist bereits auf dem Heimweg. Der Aufruhr um den deutschen Rapper hielt sich jedoch in Grenzen. Der Star des Abends beschränkte seinen Auftritt auf vernachlässigbares Gewäsch. Fans deutschen Hip-Hops kamen hingegen, wenn auch ziemlich kurz, auf ihre Kosten. Der wehrte Herr musste vermutlich zeitig Heim, um den brachialen Titel noch vor dem Morgengrauen durchzuzocken …

0.00 Uhr – Nun startet der Mitternachtsverkauf. Zahlreiche Spieler bekommen ihre Spiele ausgehändigt, wobei die PC-Version für moderate 35 Euro zu haben ist. Konsolenjünger müssen etwas tiefer in die Tasche greifen und werden mit 45 Talern glücklich – im Vergleich mit den üblichen Ladenpreisen ein Schnäppchen!. Eine von Adam Rosas signierte Presseversion haben jedoch nur wenige. Zu den Glücklichen gehöre natürlich auch ich, versteht sich.

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