Goosegogs

26 04 2011

Nun stellt euch mal vor, ein noch junger Bursche, Schüler, verbringt seinen Nachmittag nicht mit Hausaufgaben oder Prüfungsbögen, sondern mit – ein Skandal! – Videospielen. Momentan beschäftigt sich Frederic Schimmelpfennig vor allem mit seinem eigenen Spiel: Goosegogs. Schon wieder ein Independent-Game. Und schon wieder ein gutes, denn die drollige Stachelbeeren-Hüpferei macht einfach Laune.

Mit Verlaub, aber so einzigartig ist die Spielidee von Goosegogs nicht. Mit einer Stachelbeere (englisch: Goosegog) hüpfen, rollen und knobeln wir uns durch schicke 2D-Landschaften, weichen feindlichen Knubbeln aus und bezwingen sie mit einer Art Wutlasso. Von einzigartig kann man wohl aber beim liebreizenden Design sprechen: Handgezeichnete Bäume wiegen sich im Rhythmus frohlockender Klimperklänge; auf dem Boden kugeln sich putzige Gog-Bällchen. Auch wenn der Look – ebenso wie der Spieltitel – zuweilen frappierend an das Knobelabenteuer World of Goo erinnert, schafft Goosegogs mit seinem Zusammenspiel aus Farbkontrast und melancholischem Charme eine ausserordentliche Atmosphäre.

Das Spielprinzip ist simpel, aufgrund einiger Schikanen aber ebenso knifflig. Mit den Pfeiltasten setzen wir unseren Gog in Bewegung, gesprungen wird mit der Leertaste. Die grundlegende Idee des Spielprinzips besteht nun darin, böse Stachelbeeren zu zermatschen. Drücken wir einen beliebigen Buchstaben der PC-Tastatur, färben sich die Augen unseres Pflückobstes rot, gleichzeitig ziehen wir eine Kette kleiner Wutwölkchen hinter uns her. Kommen die Feinde schliesslich mit unserem Wurmfortsatz in Berührung, werden sie aggressiv und zerplatzen. Das bringt Punkte, die sich zu denen addieren, die wir als Bonus innerhalb eines Zeitlimits ergattern. Nur mit einer gesunden Mischung aus Geschwindigkeit und Gegnertöten knacken wir die Punktvorgabe aller 45 Levels – bleiben wir unter dem Zähler, müssen wir unser Glück erneut versuchen.

Das Glück. Pah, das Glück ist eine Dirne. Die zunehmend happigeren Herausforderungen absolvieren wir meist nur durch – genau – üben, üben, üben. Oft sind wir zu langsam, springen versehentlich ins Verderben oder werden von malmenden Zahnrädern zu Beerenkompott verarbeitet. Wir müssen nämlich sparsam mit unserer Wutenergie umgehen, weil exzessiver Gebrauch zum vorzeitigen Ableben führt. Vorbildlich derweil: Betätigen wir die Eingabetaste, startet der Level von vorn – ganz ohne Ladezeiten, ganz ohne lästiges Menüaufrufen.

Goosegogs ist sehr kurz. Die fünf mageren Kapitel haben wir in weniger als drei Stunden durchgespielt. Die verstrichen dafür wie im Flug, denn Goosegogs wirft uns immer wieder in brenzlige Situationen. Später kommen zum Beispiel noch Kanonen hinzu, die uns am Weiterkommen hindern. An anderer Stelle hängen noch reife Beeren im Geäst, die uns zusätzlich von oben herab zusetzen. Wiederum andere springen, rollen oder bewegen sich gar nicht. Daher variiert auch das Spieltempo, an das wir uns mit unterschiedlichen Beerenformen anpassen müssen. Schon bald schalten wir neue Fruchtmutationen frei. Etwa einen steinharten Gog, der zwar flink unterwegs ist, sich aber träge steuern lässt. Optimal also, um beispielsweise die eingestreuten Zeitmissionen zu meistern.

Fazit: Es gibt ein soziales Dogma, das jedem von uns bekannt ist: Mit Essen spielt man nicht. Im Falle von Goosegogs aber muss ich mit dieser Ethik brechen, denn das Hüpfen durch die zauberhaften 2D-Kulissen macht auch mit Stachelbeeren ungeheuren Spass. Die Idee ist simpel, aber unverbraucht und unterhält während der kurzen Kampagne auf hohem Niveau. Leider konnten wir nur die PC-Version ausprobieren; von den iOS-Varianten, die schon in den Startlöchern stehen, haben wir indes noch nichts gesehen. Wir prophezeien aber eine intuitive Bedienung, die das originelle Spielprinzip von Goosegogs noch stärker hervorheben dürfte.

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Mit kleinen Flügeln hoch hinaus

19 04 2011

Warum ist Doodle Jump für das iPhone so erfolgreich? Was macht es so besonders? Die gekritzelte Optik? Das simple Spielprinzip? Der putzige Charme des grünen Rüsselmännchens? Irgendetwas muss es ja sein, aber was es auch ist – Tiny Wings hat es auch. Das Minispiel schaffte es in Rekordzeit in die Charts und hält sich dort seit Wochen in den Top 5.

Bei diesem Preis-Leistungs-Verhältnis kein Wunder, kostet die Perle doch nur 79 Cent. Für nichtmal einen Euro darf man einem übergewichtigen Vogel mit minderwertig ausgeprägten Flügeln zum Fliegen verhelfen. Mittels Druck auf den Touchscreen plustert sich der kleine Kerl auf und gewinnt an Gewicht. So lässt sich am meisten Schwung gewinnen, den man zum Auftrieb braucht. Ist man indes zu langsam, bricht nach gewisser Zeit die Nacht herein und hüllt den Kleinen in kuschlige Träume.

Was bei Doodle Jump die Plattformen sind, sind in Tiny Wings unterschiedlich steile Inselhügel, die immer wieder eine besondere Herausforderung darstellen. Gegner gibt es keine. Nur eine liebenswerte Melange aus märchenhaften Kulissen und im Hintergrund dudelnden Elektroklängen.

Hat man nach einiger Übung alles richtig gemacht, kann der fröhlich jauchzende Gockel sogar am Wolkenkleid schnuppern. Das gibt Punkte und Geschwindigkeit – neben den sammelbaren Münzen die einzigen beiden Motivationsmotoren. Tiny Wings ist folglich eine kurzweilige Punktejagd, mit freischaltbaren Erfolgen und zuckersüßem Liebreiz. Aber was heißt schon Kurzweil? Ich jedenfalls überbrücke täglich lästige Wartezeiten mit dem kleinen Brummer. Ein Schmuckstück unter den Iphone-Spielen.








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