Move Fitness

21 12 2011

Weihnachten steht vor der Tür, und der fettige Braten auf dem Tisch. Die Plätzchen werden gebacken, die Naschteller gefüllt – und die schlanke Linie vernachlässigt. Wer regelmässig ins Fitnesstudio geht, weiss, dass dort nach den Feiertagen mehr geschwitzt wird, als in einem türkischen Dampfbad. Auch Move Fitness für die PlayStation 3 will einem das Fettverbrennen erleichtern und bietet neben zahlreichen Sportübungen auch einen persönlichen Trainer sowie individuelle Trainingspläne. Noch nie sind mithilfe zweier Leuchtkugeln die Pfunde schneller gepurzelt.

Zu Beginn gleich ein Manko: Move Fitness basiert auf der PlayStation Move-Steuerung und kann ausschliesslich mit zwei Move-Controllern gespielt werden. Wer also nur eines dieser Fuchtellämpchen daheim hat, kann die Schweissbänder gleich wieder abstreifen, denn jede Disziplin setzt den Einsatz beider Hände voraus. Ein Umstand, über den das Spiel fairerweise bereits auf dem Cover informiert, zumal Move Fitness zusätzlich im Bundle mit zwei Move-Controllern erhältlich ist.

Sind die Batterien geladen, das Zimmer abgedunkelt und die Move-Controller kalibriert, kann es losgehen. Satte 27 Übungen stehen zur Auswahl, eine anstrengender als die andere. Da schmettern wir etwa dicke Medizinbälle über Ziellinien, malträtieren Steinblöcke oder Holzpuppen mit Boxhandschuhen, werfen Körbe beim Basketball, oder springen vor dem Bildschirm wie ein Hampelmann herum. Derweil informieren uns übersichtliche Spielanzeigen nicht nur über den aktuellen Punktestand, sondern auch über die momentane Herz-Kreislauf-Belastung sowie die verbrannten Kalorien. Deren Glaubwürdigkeit darf (oder sollte) in einem Videospiel allerdings angezweifelt werden.

Trotzdem kommt man bei Move Fitness ordentlich ins Schwitzen, denn bleiben wir im Rhythmus oder erhöhen wir unser Tempo, aktivieren wir den Turbomodus und somit einen beachtlichen Punktemultiplikator. Zudem hagelt es Zähler für perfekte Trefferserien, besonders harte Schläge oder das Überbieten der eigenen Bestleistung. Das klappt hervorragend und motiviert kurzweilig, obwohl es nur einen Schwierigkeitsgrad gibt. Dafür werden alle Sportarten anhand bebilderter Anleitungen ausführlich vom Trainer erklärt, der übrigens auch während des Trainings den einen oder anderen Kommentar ablässt, uns dank eines üppigen Wortschatzes im Test aber nie auf die Nerven ging.

Herzstück des Spiels ist der Programmmanager, in dem wir uns für einen von vielen vorgefertigten Trainingsplänen entscheiden oder kurzerhand unseren eigenen basteln. Danach geht es in schnell wechselnden Übungen den Pfunden an den Kragen. Je nach Laune und Tageszeit dauert das Training 10 bis 30 Minuten und hinterlässt sichtliche Spuren. Der Autor dieser Zeilen hat trotz einer gewissen Fitness mehr Wasser verloren als eine Schwangere bei der Geburt. Daher empfiehlt das Spiel regelmässige Pausen und erinnert immer wieder ans Trinken. Was Sportmuffel indes herzlich wenig interessiert, denn Move Fitness versäumt es, den Spieler zu belohnen. Keine freischaltbaren Extras oder Disziplinen, keine Minispiele, kein Anreiz: Wem der Spass am Sport nicht Motivation genug ist, der wird auch mit zwei Leuchtkugeln nicht zum Athleten.

Fazit: Sicher, Move Fitness bietet 27 abwechslungsreiche Muskelaufbau- und Kreislaufübungen. Sicher, die Disziplinen machen Spass und können abwechselnd mit bis zu drei Mitspielern absolviert werden. Und sicherlich wird der eine oder andere ein paar Stunden damit verbringen, seinen individuellen Trainingsplan anzufertigen. Aber eben auch nur für ein paar Stunden, denn Move Fitness gibt einem keinen Anreiz. Warum soll ich mich vor dem Bildschirm zu Tode strampeln, wenn ich dafür nicht belohnt werde? Fit halten kann ich mich auch an der frischen Luft. Von einem motivierenden Videospiel verspreche ich mir hingegen Minispiele, zusätzliche Übungen, neue Kostüme oder weiss der Teufel was. Und diesbezüglich versagt Move Fitness vollkommen. Dann lieber doch „richtigen“ Sport machen!

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Zeitkapsel

6 12 2011

Wenn ich mich so in meinem Bekanntenkreis umhöre oder in Internetforen stöbere, kommt es mir vor, als spiele die ganze Welt The Elder Scrolls 5: Skyrim. Egal ob in der Bahn, im Spielgeschäft, auf dem Pausenhof oder im Uniklo: Überall wimmelt es von Drachentötern. Und wer mag‘s ihnen verdenken? Skyrim ist ein riesiger Sandkasten voller Abenteuer und Feuerspucker, ein Koloss unter den Rollenpielen. Die hübschen Schneelandschaften locken zum Erkunden, die modrigen Gräber zum Durchforsten ein. Und: Man kommt vom einen ins andere, knüppelt etwa Monster oder pflückt Kräuter – ständig gibt es etwas zu entdecken oder zu erledigen. Skyrim ist der krönende Genreabschluss dieses Jahres. Auf über vier Millionen Bildschirmen herrscht momentan Eiszeit.

Doch es bleibt nicht beim Drachenschlachten. Immerhin ist Skyrim nicht das einzige Spiel, das vor Weihnachten um Käufer buhlt. Angeführt werden die Verkaufscharts von Assassin‘s Creed: Revelations, gefolgt von Modern Warfare 3, Halo Combat Evolved und Super Mario 3D Land. Und dann gibt es schließlich noch das neue Anno 2070, das Multiplayer-Schießeisen Battlefield 3 sowie das quietschfidele Comic-Jump-‘n‘-Run Rayman Origins. Alles sehr gute, teils grandiose Spiele – aber wer zum Henker soll die überhaupt spielen?

Manchmal wünsche ich mir eine Zeitkapsel, in der ein Tag mehr als 24 Stunden hat und das private Daddelhobby genügend Platz findet. Denn aktuelle Titel drehen sich heutzutage kaum noch in meinen Laufwerk – den Anschluss habe ich längst verloren. Das Ganze hat aber auch etwas Gutes: Im Sommer, wenn das saisonale Loch im Release-Kalender klafft und sich die anderen Sonnenallergiker aus Langeweile im Bauchnabel pfriemeln, brauche ich nur in mein Regal zu schauen und einen Titel aus dem Vorjahr zu grabschen. 2012 dürfte mir dabei wohl auch Skyrim in die Hände fallen.








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