Straßen des Glücks

11 02 2012

In Strassen des Glücks verquickt Nintendo die bekanntesten Spielwelten aus dem Mario- und Dragon Quest-Universum mit den Regeln des Brettspielklassikers Monopoly. Dementsprechend schnell finden wir uns in der Klempnerversion zurecht, denn nach wie vor dreht sich alles ums gnadenlose Abkassieren der Mitspieler. Das funktioniert auch auf der Nintendo Wii wunderbar. Die Faszination der Brettspielvorlage möchte dennoch nicht richtig überspringen.

Was gibt es Schöneres, als mit Freunden und Familie am Nachmittagstisch in Omas Kuchen zu beissen und sich gemeinsam in einem Brettspiel zu verlieren? Ein Klassiker dürfte vor allem Wirtschaftsfans und unnachgiebigen Spitzbuben im Gedächtnis geblieben sein. Wer kennt es nicht: Mit einem Männlein im Viereck laufen, Häuschen bauen (und später ganze Hotelstrassen hochziehen), stets die verschiedenen Farben im Überblick behalten und sich bloss vom überzogen teuren Pflaster der Mitspieler fernhalten – Monopoly ist eine Spassgranate unter den Gesellschaftsspielen und bis heute in unzähligen Variationen ein Kassenschlager.

Um dieses Gefühl auf den heimischen Bildschirm zu transferieren, hat an Strassen des Glücks sogar Dragon Quest-Erfinder Yuji Horii höchstpersönlich mitgewirkt. Doch die Rechnung geht nicht auf, denn bei einer Videospielumsetzung fällt das eifrige Würfeln um die richtige Augenzahl ebenso flach wie das freudige Sortieren und Aufstellen der eigenen Plastikbauten. Statt eine der putzigen Figürchen hält man plötzlich den Controller in der Hand, und anstelle von Papiergeldhaufen blicken wir nur noch auf eine Summe digitaler Ziffern. Seufz.

Lediglich den wirtschaftlichen Wettbewerb fängt Strassen des Glücks ebenso gut ein. Dazu spielen wir natürlich am besten mit drei Mitspielern, andernfalls springt der Computer als Gegner ein, oder wir suchen uns welche übers Internet. Die grosse Stärke des Spiels sind seine mannigfaltigen Spielbretter, die allesamt bekannten Schauplätzen der Mario- und Dragon Quest-Marke nachempfunden wurden. Das Ziel ist jedoch immer dasselbe: So viel Kohle scheffeln wie möglich, und mit klug platzierten Strassen seine Kontrahenten abziehen. Wer die vier verschiedenen Farbsymbole auf der Karte einheimst und anschliessend wieder zur Bank flitzt, wird befördert und erhält ein zusätzliches Taschengeld. Darüber hinaus sorgen gelegentliche Minispiele für Laune und bringen etwas Pepp in die ansonsten nintendotypisch bemühte Präsentation samt jauchzenden Charakteren, deren nerviger Dialoge wir schnell überdrüssig werden.

Obwohl wir das Spielziel – das meistens das Anhäufen einer gewissen Geldsumme beziehungsweise den Bankrott eines Mitspielers verlangt – selbst festlegen dürfen, ufern die Partien oft in stundenlanges Controller-Weiterreichen und Abwarten aus. Schade auch, dass sich die zahlreichen Spielfiguren ausser optisch nicht sonderlich voneinander unterscheiden. So macht es beispielsweise keinen Unterschied, ob wir als Yoshi, Dragonball-Verschnitt mit Stachelfrisur, oder mit unserem Mii-Ebenbild um die teuerste Strasse pokern. Apropos: Für geübte Spieler hält Strassen des Glücks einen erweiteren Modus bereit, in dem man sich zusätzlich mit Aktien eindecken und mit etwas Glück und wirtschaftlichem Geschick einen Batzen Kohle verdienen kann. Aber mal ehrlich: Ohne Papiergeld ist das ziemlich uncool.

Fazit: Videospielumsetzungen von Brettspielen sind immer so eine Sache: Sie erinnern zwar unweigerlich ans Original und bereichern es mit den Vorzügen interaktiver Unterhaltung, das Flair der Vorlage können sie aber nur schwer einfangen. Daran hat auch Strassen des Glücks zu knabbern. Es ist eben doch etwas ganz anderes, wenn man mit Omas Kuchen am Tisch sitzt und echte Scheinchen zählt, anstatt auf dem Sofa zu hocken und die Augen zukneifen zu müssen, damit man die zuweilen kleinen Bildschirmanzeigen überhaupt verfolgen kann. Wer auf Nintendo-Charaktere im Allgemeinen und auf Monopoly in einer würzigeren Note im Besonderen steht, darf einen Blick riskieren. Alle anderen kramen lieber das Brettspiel aus ihrem Schrank.

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