Das Geheimnis von Dragonville

24 05 2012

Professor Layton und sein Nachwuchsdetektiv haben es vorgemacht: Rätselspiele können nicht nur Hirnschmalz fordern und als Pausenfüller dienen, sondern auch eine spannende Geschichte erzählen. Das versucht auch das Nintendo DS-Abenteuer Das Geheimnis von Dragonville: May’s Mystery, das endlich auch auf dem heimischen PC einkehrt.

Die PC-Knobeltour ist nahezu eine Eins-zu-eins-Kopie der Nintendo DS-Version, an der Geschichte hat sich dementsprechend nichts verändert. Im Intro begleiten wir die gescheite May und ihren kleinen Bruder Tery bei einem aufregenden Heissluftballonflug, bis plötzlich der Kahn abstürzt und sich May benommen auf einer Wiese wiederfindet. Vom Ballon und von ihrem Bruder keine Spur. Nur ein handgeschriebener Zettel liegt zu ihren Füssen. Offensichtlich ist Tery in die nahe Stadt Dragonville geschlendert. Doch als wir dort ankommen, treffen wir nur einen geistig verwirrten Ex-Bürgermeister und kuriose Einwohner, die einen seltsamen Groll gegen Kinder hegen. Unheimlich!

Natürlich gestaltet sich die Suche nach dem kleinen Bruder als ausgesprochen verzwickte Detektivarbeit. So müssen wir ähnlich wie in der Professor Layton-Serie hunderte Rätsel lösen, um schliesslich hinter das Geheimnis von Dragonville zu kommen. Das macht dank abwechslungsreicher Schauplätze und vertonter Dialoge auch jede Menge Spass, obschon der Krimi, in den das Spiel seine Kopfnüsse bettet, nicht so fesselnd ausfällt wie beim grossen Vorbild.

Dafür kann Das Geheimnis von Dragonville: May’s Mystery bei den Aufgaben auftrumpfen: Satte 270 Logikrätsel, Geschicklichkeitstests, Zeichenkurse, Rhythmus- und Wimmelbildspiele wollen gelöst werden – eines kniffliger als das andere. Knacken wir eine Kopfnuss ohne fremde Hilfe, erhalten wir Hinweispunkte, mit denen wir bis zu zwei Tipps freischalten dürfen. Wem die grauen Zellen dennoch im Stich lassen, der darf im Casual-Modus sogar Rätsel überspringen und sie im hübsch aufgelisteten Tagebuch auch später noch wagen. Blöd indes: Weil wir die jeweilige Lösung am Ende nicht erklärt bekommen, nutzt auch stupides Herumprobieren nichts – wir tappen danach weiterhin im Dunkeln. Ganz anders die Professor-Layton-Spiele, die jede Knobelei noch einmal nachvollziehbar veranschaulichen.

Da wir bei einem PC-Spiel in der Regel nicht mit einem Stift auf unseren Bildschirm tatschen, haben die Entwickler die Bedienung angepasst. So sehen wir mit einem Mausklick alle Interaktionsobjekte und wechseln die Schauplätze ebenso simpel wie bei einem Adventure. Andererseits verkommt die Steuerung gerade bei den Streichholzaufgaben zur nervigen Zerreissprobe: Damit das Spiel unsere Lösung akzeptiert, muss wirklich jedes Hölzchen winkelmessergerecht an dem anderen liegen. Die Fülle an Aufgaben sowie die animierten Zwischensequenzen lassen uns derartige Schnitzer aber schnell vergessen.

Fazit: Das Geheimnis von Dragonville: May’s Mystery macht dank angepasster Bedienung auch auf dem PC eine gute Figur. Die zahlreichen Rätsel sind stets gut in die Handlung eingebettet und passen zum jeweiligen Geschehen. Trotz der regelrechten Aufgabenflut haben mir die Professor Layton-Spiele aber einen Tick besser gefallen. Auch, weil dort die Rätselschwierigkeit nicht so sehr schwankt und mir die Lösung noch einmal vor Augen geführt wird. Die animierten und klasse vertonten Zwischensequenzen stehen denen des grossen Vorbilds aber in nichts nach. Ein Rätselspass für die ganze Familie.

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Coloropus

15 05 2012

Die Farbe macht’s: Im Independent-Spielchen Coloropus begeben wir uns in die Tiefen des Meeres und lösen Rätsel, indem wir wie im Kunstunterricht der Grundschule diverse Farben mischen. Was simpel klingt, entpuppt sich im Kurztest als überraschend kniffliges Unterwasserabenteuer und ist zudem vollkommen kostenlos.

In Coloropus schlüpfen wir in den gleichnamigen Tintenfisch, der nichts lieber macht, als zusammen mit seiner Freundin Pinky durch den Ozean zu schwimmen. Eines Tages jedoch geraten sie in fremde Gewässer, wo sich Menschen mit den beiden Kraken einen Scherz erlauben. Es kommt, wie es kommen muss: Die Wege der beiden Meerespolypen trennen sich und wir müssen unsere Liebste retten. So weit, so banal. Doch Coloropus vermag die Suche nach der Herzensdame charmant zu verpacken. Statt Dialogen lauschen wir etwa unverständlichen Blubberlauten. Und an die Stelle von Videosequenzen treten minimalistische Gedankenblasen.

Um das Krakenpaar wieder zu vereinen, müssen wir allerhand Rätsel lösen. Farbrätsel, um genau zu sein, denn jedem Seetang, jedem Stein, der uns den Weg versperrt, wohnt eine bestimmte Farbe inne. Wir können nur passieren, wenn wir die entsprechende Tinte in uns tragen. Coloropus kann nämlich bis zu zwei Farbkleckse einsaugen und sie auf Knopfdruck, nun ja, auspupsen. Dabei lassen sich die unterschiedlichen Töne auch mischen. Verleiben wir uns etwa eine rote Sardine ein und futtern anschliessend ein blaues Plankton, düsen wir fortan als violetter Oktopus durchs Wasser. Pupsen, pardon, schiessen können wir die Farbe jedoch nur, wenn wir zuvor genügend „Meeresfrüchte“ (etwa Weintrauben, Zitronen oder Melonen) gesammelt haben.

Das mag simpel klingen, in der Praxis gestaltet sich der Kunstunterricht unter Wasser aber ausgesprochen knifflig. Farben sowie energiespendendes Obst müssen wir uns erst mühsam zusammensuchen. Neben der Frage, wie man die jeweilige Kopfnuss knackt, beschäftigt uns also vor allem jene, wie wir an die passende Färbung gelangen. Und genau hier liegt die Krux des Spiels, denn die Hilfefunktion spuckt nur eklatante Hinweise aus, die uns kaum etwas nützen. Zudem nervt es tierisch, ständig wirr durchs Wasser zu rudern und allenthalben von zähnefletschenden Piranhas zerpflückt zu werden.

Da es nur einen Speicherstand gibt, der obendrein automatisch erstellt wird, können wir nach dem Ableben auch nicht mal eben nachladen. Stattdessen quälen wir uns durch hinterhältige Kopfnüsse des Flammenmeeres beziehungsweise öffnen die Himmelspforte im Tintenfischolymp – je nachdem welche Karmapunkte wir angesammelt haben. Dennoch: Das ständige Sterben bringt einen zur Weissglut. Die latent zickige Steuerung tut da ihr Übriges.

Spass macht die Unterwasserodyssee trotzdem. Man möchte einfach weiterkommen, neue Meeresgebiete erforschen, Pinky aus der verschlossenen Limonadenflasche befreien. Nebenbei zermartern wir uns den Schädel, wie wir an die diversen Bonuskügelchen gelangen, mit denen wir etwa unsere Gesundheit oder unser Schwimmtempo steigern. Nach maximal vier bis fünf Stunden sind die beiden Kopffüsser wieder vereint. Für ein kostenloses Spiel völlig in Ordnung.

Fazit: Ich muss gestehen, Coloropus hat mich zuweilen in den Wahnsinn getrieben. Nicht, weil ich die Farbrätsel nicht knacken konnte, sondern weil mein schwachbrüstiger Tintenfisch ständig ins Plankton gebissen hat und ich mich aus den Tiefen der Hölle emporknobeln musste. Das bremst den Spielfluss gehörig aus. Auch die ewige Suche nach der passenden Farbe (oder dem Farbpaar) sorgt für Frust. Andererseits sind die Rätsel sowie das generelle Spielprinzip überraschend originell geraten. Es macht Spass, Coloropus bei seiner Rettungsaktion zu unterstützen. Wer gerne knobelt und über kleinere Mankos hinwegsehen kann, sollte sich dieses charmante und zudem völlig kostenlose Abenteuer anschauen.








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