Coloropus

15 05 2012

Die Farbe macht’s: Im Independent-Spielchen Coloropus begeben wir uns in die Tiefen des Meeres und lösen Rätsel, indem wir wie im Kunstunterricht der Grundschule diverse Farben mischen. Was simpel klingt, entpuppt sich im Kurztest als überraschend kniffliges Unterwasserabenteuer und ist zudem vollkommen kostenlos.

In Coloropus schlüpfen wir in den gleichnamigen Tintenfisch, der nichts lieber macht, als zusammen mit seiner Freundin Pinky durch den Ozean zu schwimmen. Eines Tages jedoch geraten sie in fremde Gewässer, wo sich Menschen mit den beiden Kraken einen Scherz erlauben. Es kommt, wie es kommen muss: Die Wege der beiden Meerespolypen trennen sich und wir müssen unsere Liebste retten. So weit, so banal. Doch Coloropus vermag die Suche nach der Herzensdame charmant zu verpacken. Statt Dialogen lauschen wir etwa unverständlichen Blubberlauten. Und an die Stelle von Videosequenzen treten minimalistische Gedankenblasen.

Um das Krakenpaar wieder zu vereinen, müssen wir allerhand Rätsel lösen. Farbrätsel, um genau zu sein, denn jedem Seetang, jedem Stein, der uns den Weg versperrt, wohnt eine bestimmte Farbe inne. Wir können nur passieren, wenn wir die entsprechende Tinte in uns tragen. Coloropus kann nämlich bis zu zwei Farbkleckse einsaugen und sie auf Knopfdruck, nun ja, auspupsen. Dabei lassen sich die unterschiedlichen Töne auch mischen. Verleiben wir uns etwa eine rote Sardine ein und futtern anschliessend ein blaues Plankton, düsen wir fortan als violetter Oktopus durchs Wasser. Pupsen, pardon, schiessen können wir die Farbe jedoch nur, wenn wir zuvor genügend „Meeresfrüchte“ (etwa Weintrauben, Zitronen oder Melonen) gesammelt haben.

Das mag simpel klingen, in der Praxis gestaltet sich der Kunstunterricht unter Wasser aber ausgesprochen knifflig. Farben sowie energiespendendes Obst müssen wir uns erst mühsam zusammensuchen. Neben der Frage, wie man die jeweilige Kopfnuss knackt, beschäftigt uns also vor allem jene, wie wir an die passende Färbung gelangen. Und genau hier liegt die Krux des Spiels, denn die Hilfefunktion spuckt nur eklatante Hinweise aus, die uns kaum etwas nützen. Zudem nervt es tierisch, ständig wirr durchs Wasser zu rudern und allenthalben von zähnefletschenden Piranhas zerpflückt zu werden.

Da es nur einen Speicherstand gibt, der obendrein automatisch erstellt wird, können wir nach dem Ableben auch nicht mal eben nachladen. Stattdessen quälen wir uns durch hinterhältige Kopfnüsse des Flammenmeeres beziehungsweise öffnen die Himmelspforte im Tintenfischolymp – je nachdem welche Karmapunkte wir angesammelt haben. Dennoch: Das ständige Sterben bringt einen zur Weissglut. Die latent zickige Steuerung tut da ihr Übriges.

Spass macht die Unterwasserodyssee trotzdem. Man möchte einfach weiterkommen, neue Meeresgebiete erforschen, Pinky aus der verschlossenen Limonadenflasche befreien. Nebenbei zermartern wir uns den Schädel, wie wir an die diversen Bonuskügelchen gelangen, mit denen wir etwa unsere Gesundheit oder unser Schwimmtempo steigern. Nach maximal vier bis fünf Stunden sind die beiden Kopffüsser wieder vereint. Für ein kostenloses Spiel völlig in Ordnung.

Fazit: Ich muss gestehen, Coloropus hat mich zuweilen in den Wahnsinn getrieben. Nicht, weil ich die Farbrätsel nicht knacken konnte, sondern weil mein schwachbrüstiger Tintenfisch ständig ins Plankton gebissen hat und ich mich aus den Tiefen der Hölle emporknobeln musste. Das bremst den Spielfluss gehörig aus. Auch die ewige Suche nach der passenden Farbe (oder dem Farbpaar) sorgt für Frust. Andererseits sind die Rätsel sowie das generelle Spielprinzip überraschend originell geraten. Es macht Spass, Coloropus bei seiner Rettungsaktion zu unterstützen. Wer gerne knobelt und über kleinere Mankos hinwegsehen kann, sollte sich dieses charmante und zudem völlig kostenlose Abenteuer anschauen.

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